Verein zur Förderung innovativer Rechnertechnologien in der Entwicklungshilfe
Verein zur Förderung innovativer Rechnertechnologien in der Entwicklungshilfe
Village Scribe Association
Dorfschreiber Verein
Armut bekämpfen und Entwicklungsarbeit leisten
Im Jahr 2000 startete das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) ein Projekt, um die Armut in der Welt bis zum Jahr 2015 zu beseitigen. Während Armut von Individuen eher relativ betrachtet wird, wurden von dem UNDP die Symptome der Armut spezifiziert: Hunger, Krankheiten und der Mangel an Ausbildung (Unwissen) sind aber nicht nur die Symptome, sondern auch die schwerwiegensten Gründe der Armut. In diesem Jahr 2008, nach der Hälfte der Zeit, wird immer deutlicher, daß wir uns dem Ziel der UNDP nur viel zu langsam nähern. Der Hauptgrund dafür ist, daß behindernde soziale Strukturen allgemein nur sehr schwer verändert werden können. Des Weiteren gibt es vielfältige Barrieren, die die Verwirklichung der Vision des UNDP verkomplizieren. Wegen infrastruktureller Probleme sind marginalisierte ländliche Gebiete (im Folgenden: MRAs) von den meisten Entwicklungsprojekten ausgeschlossen. Die Regierungen selbst tragen oft die Schuld an dem Mißlingen von Projekten durch die Vergabe von Aufträgen an Monopole oder die Reduzierung von Fördergeldern durch Betrug und Korruption. Die UN ist widerum ein wenig flexibler Machtapparat, der immer wieder die gleichen Fehler macht. Teure ausländische Expertise und Gerätschaft wird eingeführt, aber die Menschen der Entwicklungsländer werden nicht genug involviert und ausgebildet, und somit wird das Problem auf lokaler Ebene nicht gelöst. Allerdings weisen diese Indikatoren auf ein tieferes Problem hin: daß viele Menschen, die in den MRAs leben und arbeiten, glauben, daß die Probleme der MRAs unlösbar sind, daß sie an der Situation nichts ändern können und die einzige Lösung die Flucht in die Städte ist.
Lebensbedingungen und Probleme der MRAs
Es ist diese Einstellung, die jeden Versuch, den MRAs (wo signifikante Teile der subsaharischen Bevölkerung leben) zu helfen, so schwierig macht, und es ist diese Einstellung, die geändert werden muß, gleichzeitig mit der Lösung der infrastrukturellen und der politischen Probleme. Wir glauben, daß Menschen angeborenerweise neugierig, kreativ und stolz auf ihre Erfolge und Leistungen sind. In sehr verarmten MRAs, die von Hunger und Krankheiten heimgesucht sind und keinerlei gesellschaftliche Annehmlichkeiten und Dienstleistungen zu bieten haben, sind diese angeborenen Fähigkeiten der Menschen vernachlässigt und verlernt worden. Schulen funktionieren nur unzureichend, und das Leben selbst bietet auch keine nennenswerten Vorbilder und Ziele, da die meisten Menschen dort keine Ausbildung haben. Ausnahmen bilden Lehrer, Krankenschwestern und Polizisten. Um eine dieser drei Ausbildungen in Südafrika zu beginnen, ist ein Gymnasialabschluss notwendig, aber kein Studium, sondern nur eine kurze Fachausbildung. Entwicklungshelfer werden in diesen Gebieten mit offenen Armen und einer scheinbar positiven Einstellung empfangen. Jedoch haben die Bewohner Angst vor Veränderungen. Warum sollten sie ihre Situation ändern, wenn doch dann die alten Regeln nicht mehr gelten? Obwohl sie die gleiche Sprache wie die Entwicklungshelfer sprechen, verstehen sie deren Botschaft meist nicht. Die gut gemeinten Ratschläge und großen Visionen der Menschen aus den entwickelten Ländern liegen schlicht nicht im Bereich ihrer Erfahrungen. Ferner, wenn die Entwicklungshelfer ein Projekt den Gemeinden nach einer bestimmten Zeit überlassen, überlassen sie ihnen auch die Entscheidung, ob sie das Projekt wie bisher weiterführen oder wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen.
Dieser Artikel erklärt das Konzept des Dorfschreibers Vereins für Personen, die mit dem Konzept ICT4D (Informations- und Kommunikationstechnologien für Entwicklungsgebiete) nicht vertraut sind, so daß die Ziele dieses Programmes verstanden werden können und nachvollzogen werden kann, wie diese erreicht werden können, und was der Dorfschreiber Verein dafür tun kann. Der Leser sollte in der Lage sein, mit Hilfe dieses Textes Vorraussetzungen, Fallstudien und Fakten nachzuvollziehen, um selbst zu beurteilen, ob dieses Konzept realisierbar ist.
IT Technologien und das Internet als Chance
Nach unseren Erfahrungen bringen moderne Rechnertechnologien beispiellose Möglichkeiten in verarmte MRAs, z.B. die Möglichkeit, die Vielzahl von Problemen, die diese Gebiete am Fortschritt hindern, schneller zu lösen als mit anderen Methoden. Abgesehen davon, daß Computer Zugang zu Wissen und Kommunikation mit dem Rest der Welt ermöglichen, sind sie auch ein starkes Symbol für den Fortschritt, für Möglichkeiten und Macht. Letzteres macht sie zu einer Quelle der Antriebskraft für eine ganze Gemeinde, so daß sie sich ermächtigt fühlt, Probleme selbst in die Hand zu nehmen. Warum sind moderne technische Geräte, wie z.B. Handys und Computer, gerade für Kinder so anziehend? Deren Neugier und Kreativität sind noch nicht durch das alltägliche Leben unterdrückt worden, und diese Geräte sprechen ihre Vorstellungskraft direkt an. Die Kinder suchen noch nach Alternativen und neuen Lösungen für die alten Probleme. Wenn diese Generation afrikanischer Staatsbürger nicht nur in dem Glauben aufwächst, daß sie die Macht haben, etwas zu verändern, sondern auch die dafür notwendigen Hilfsmittel besitzen, und zwar die Möglichkeit zu lernen, zu kommunizieren und sich selbst zu verwalten, dann ist eine Veränderung vom status quo praktisch auch möglich (im Gegensatz zu vielen vorherigen entwicklungshelferischen Anstrengungen , die nur wenig Erfolg verzeichnen konnten, obwohl viel Geld und Zeit eingesetzt wurde). Mit Hilfe der Information aus dem Internet und dem Wissen, wie man an selbiges herankommt, kann der oben beschriebene Rückfall in alte Verhaltensmuster nach der Übergabe eines Entwicklungsprojektes an die Gemeinde aufgehalten werden, wenn die Bestätigungen und Antworten der Entwicklungshelfer wegfallen. Der Stolz auf die Unabhängigkeit und die Macht, die durch die Nutzung der neuen Technologie anfällt, stellt eine große Belohnung dar und motiviert dazu, den neuen Weg weiter zu beschreiten. Nichtsdestotrotz sollten Anschlussbesuche stattfinden, die in diesem Falle aber weniger häufig stattfinden müssen.
Was an diesem Punkt notwendig ist, ist eine genaue Untersuchung, in welcher Form die Rechnertechnologien den Bedürfnissen der Kinder in diesen Gebieten gerecht werden. Verschiedene Studien haben gezeigt, daß Kinder, die auf sich selbst gestellt sind, computerbasierte Systeme autodidaktisch lernen und ihre Kenntnisse innerhalb einer Gruppe weitergeben . Nicht so gut untersucht ist, welche Computersoftware die Kinder am effektivsten lernen läßt. Wir glauben, daß multimediale Software, die Spiel, Kommunikation und ein System von Zielen und Belohnungen, die entweder einzeln oder in einer Gruppe erreicht werden können, die beste Möglichkeit bietet, die Kinder stufenweise an neue Wege heranzuführen, sich selbst und ihre Umgebung wahrzunehmen. Solch eine Software spricht die verschiedenen Sinne an (durch lesen, schreiben, das Betrachten von Bildern und das Hören von gesprochenem Text und Musik) und regt dazu an, den Mitschülern das gerade gelernte zu erklären (Wiederholung von Wissen). Das Erlernen von Fremdsprachen, wie z.B. Englisch in Südafrika, wird angeregt, indem mit Gleichaltrigen interagiert werden kann, die eine andere Muttersprache haben. Solcherart Software kann auch angepaßt werden, um den Lehrern bei ihrer Arbeit zu helfen. Intelligente Technologien machen es möglich, sowohl Konversationen im Netz (chats) anonym zu überwachen, ohne die Privatsphäre der Kinder zu verletzen, als auch jedem Kind automatisch seine eigene Homepage zu erstellen. Auf diese Art werden Mut und Stolz aufgebaut, was die Kinder motiviert, überhaupt zur Schule zu gehen und zu lernen, daß man Dinge verändern kann.